2008 16
Aug

Vergeigte INSM-Studie zum Mindestlohn

Tag: Uncategorizedadmin @ 11:02 am

Es gibt mehr als genug gute Gründe gegen die Einführung von Mindestlöhnen. Bestimmte Effekte wie der Wegfall nicht hinreichend produktiver Arbeitsplätze und die (zumindest partielle) Weitergabe steigender Lohnkosten an die Verbraucher sind so zwingend, dass zwar sicherlich ihr Ausmaß der Untersuchung und Diskussion bedarf, aber nicht ihr Eintreten. Einen nur bedingt sinnvollen Beitrag zur Diskussion liefert jetzt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) mit einer von Ifo-Institut und Emnid durchgeführten Studie.

Ziel der Umfrage war es, von den Bundesbürgern zu erfahren, ob und in welchem Rahmen sie durch die Einführung eines Mindestlohns entstehende Preissteigerungen zu bezahlen bereit wären. Das plakative Fazit der Studie:

“Ein gesetzlicher Mindestlohn von 7,50 Euro würde die Preise für Konsumgüter und Dienstleistungen um bis zu 40 Prozent steigern. Die Mehrheit der Deutschen ist nicht bereit, diese Preiserhöhungen hinzunehmen, auch wenn die Einführung eines Mindestlohns grundsätzlich befürwortet wird.”

Wer sich die Details etwas genauer ansieht, wird auf einige etwas seltsame Fragestellungen stoßen:

“Der Zusammenhang mit dem Mindestlohn wurde den Befragten bei allen Fallbeispielen ausdrücklich klar gemacht.

Das ifo Institut berechnete, dass der Preis für einen Fernseher in Deutschland um bis zu 15 Prozent steigen würde, wenn er hierzulande unter Einhaltung eines Mindestlohns von 7,50 Euro produziert würde. 55 Prozent der Befragten gaben gegenüber TNS Emnid an, dass sie dann auf den Kauf eines Fernsehers aus einheimischer Produktion verzichten wollen.

Laut ifo würde eine in Deutschland mit Mindestlohn hergestellte Waschmaschine um bis zu 20 Prozent teurer sein. Auch hier gaben 55 Prozent der Deutschen in der TNS Emnid Umfrage an, dann auf billigere Waschmaschinen aus dem Ausland auszuweichen.

Sollten die Preise für einen Urlaub in Deutschland durch einen flächendeckenden Mindestlohn um bis zu 15 Prozent steigen, wie ifo etwa für einen Urlaub an der Ostsee ermittelte, dann würden 65 Prozent der von TNS Emnid Befragten ihren Urlaub in Deutschland einschränken oder gleich ins Ausland fahren.

69 Prozent der Befragten sind nach Einführung eines Mindestlohns nicht bereit, die um bis zu 40 Prozent höheren Kosten eines Friseurbesuchs zu zahlen. Sie würden seltener zum Friseur gehen oder Schwarzarbeit akzeptieren.

Bei Kosmetikartikeln wären 57 Prozent der Deutschen nicht bereit, Mindestlohn-bedingte Mehrkosten von bis zu 25 Prozent zu zahlen.”

Nun ist die Argumentation in Bezug auf Urlaub und Friseurbesuch zwar weitestgehend valide. Der Versuch, aus der Einführung eines Mindestlohns steigende Preise für Elektrogeräte abzuleiten, ist jedoch einfach nur albern und unnötig. Die Produktion entsprechender Geräte findet längst nicht mehr in Deutschland statt, sondern in Ländern mit niedrigerem Lohnniveau. Mit diesen Beispielen hat sich die INSM einen Bärendienst erwiesen.

Allerdings sollten sich Kritiker der INSM-Studie eines vor Augen führen: Die Produktion in Deutschland ist auch ohne Mindestlohn in vielen Bereichen schon heute nicht mehr finanzierbar. Deutsche Verbraucher profitieren sehenden Auges von niedrigeren Lohnkosten im Ausland. Die Einführung von Mindestlöhnen wird zwar in gewissem Umfang die Kaufkraft eines Teils der Arbeitnehmer stärken, aber ebenso sicher auch die Preise in einzelnen Segmenten erheblich nach oben treiben.

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