2008 19
Mrz

Mindestlohn für die “Generation Praktikum”

Tag: SPDadmin @ 9:32 pm

Immer dann, wenn man glaubt, Bundesarbeitsminister Olaf Scholz hätte schon jede Sau mindestens einmal durch’s Dorf getrieben, überrascht uns der Mann wieder mit seiner Kreativität. Sein heutiges Thema: Eine ordentliche Bezahlung (vulgo: Mindestlohn) für Praktikanten.

Die Sorge unseres Bundesarbeitsministers: Praktikanten werden von rücksichtlslosen Unternehmen als billige Arbeitskräfte missbraucht. Dies folgert Scholz aus einer Studie, nach der mehr als die Hälfte aller Praktikanten gar nicht und nur gering bezahlt werden. Abhilfe soll eine klarere Abgrenzung zwischen regulären Arbeitsverhältnissen und Praktika schaffen sowie eine Mindestvergütung für Praktikanten. Dabei beteuert Scholz, er wolle “Praktika nicht kaputtmachen, sondern dafür sorgen, dass Praktikanten ordentlich behandelt werden”.

Wozu würde eine stärkere Reglementierung von Praktika führen? “Echte Praktika” würden kaum noch stattfinden - welches Unternehmen kann es sich schon leisten, einen Praktikanten (der ja nach der Definition unseres Arbeitsministers eben keine reguläre Arbeitskraft sein und dementsprechend auch nicht allzu produktiv sein darf) für sein “Training on the job” ernsthaft zu bezahlen? Und “unechte Praktika”, bei denen Praktikanten als billige oder gar kostenlose Arbeitskräfte gesehen werden, fallen ebenso weg, wenn der Kostenvorteil schwindet. Das Ergebnis: Deutlich weniger Praktika, damit natürlich auch deutlich weniger Missbrauch - aber vor allem auch deutlich weniger Chancen für Berufseinsteiger, den Einstieg ins Arbeitsleben zu finden. 

Auch hier zeigt sich eine frappierende Parallele zum Mindestlohn: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. 

Nachtrag: Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass den Gewerkschaften die Vorschläge von Scholz nicht weit genug gehen: So kritisierte der DGB die Pläne als wirkungslos und forderte Scholz auf, Praktika generell auf drei Monate zu begrenzen.

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