2007 22
Dez

Prof. Hans-Werner Sinn: “Mindestlohn vernichtet 1,9 Millionen Arbeitsplätze”

Tag: Expertenadmin @ 12:08 am

Prof. Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts München, befürchtet schlimmste Konsequenzen für den Arbeitsmarkt bei Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns:

“Mindestlöhne sind ein wirtschaftspolitisches Spiel mit dem Feuer“, so Sinn (laut SPIEGEL). Würde man die im Postsektor eingeführten Mindestlöhne von 9,80 Euro zum flächendeckenden Standard in Deutschland erheben, erwartet Sinn den Abbau von rund 1,9 Millionen Arbeitsplätzen. Das entspricht rund einem Viertel der Beschäftigten im Niedriglohnsektor. Bei den von ver.di und anderen geforderten 7,50 Euro pro Stunde wären es noch immer 1,1 Millionen Arbeitsplätze, die auf dem Spiel stehen.

Bereits im Juni diesen Jahres hatte Sinn im Interview mit der FAZ vor Mindestlöhnen gewarnt:

Generell ist ein Mindestlohn schädlich. Diejenigen, die man schützen will, treibt man zum Teil in die Arbeitslosigkeit. Unschädlich wäre nur ein Mindestlohn unter zwei bis drei Euro, denn schon ab drei Euro gibt es viele Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland. (…) Wenn die Politik sich mit dem Mindestlohn beschäftigt, ist das für sich genommen schon problematisch, weil sich dann gerade in Deutschland ein Hang zu immer höheren Mindestlöhnen durchsetzen wird.”

Auch seine Alternativvorschläge zur Verbesserung der Einkommenssituation von Niedrigverdienern sind klar und schlüssig:

“Armut kann man besser verhindern durch negative Einkommensteuer oder Kombilohn als persönlicher Zuschuss plus kommunale Jobgarantie. Wir schlagen eine Reform von Hartz IV vor: 500 Euro statt nur 100 Euro freier Hinzuverdienst.”

Auf die Frage, warum soviele andere Länder einen Mindestlohn haben, antwortet Sinn:

“Aus den gleichen politischen Gründen, die auch die Menschen haben, die in Deutschland auf den Mindestlohn drängen. Meistens ist der Mindestlohn so gestaffelt, dass kein Unglück passiert. Häufig ist er so niedrig, dass er wirkungslos ist. Manchmal, so in Frankreich, ist er wirksam und - wie die Jugendkrawalle zeigen - extrem schädlich.